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Drei Menschen im Kreis gezeichnet
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Drehscheibe in der Berufsorientierung

Tiroler Wirtschaft, November 2022

Koordination. In den Schulen spielen die Berufsorientierungs-Koordinator:innen eine zentrale Rolle. Ein eigener Hochschul-Lehrgang sorgt für die optimale Qualifikation. Das Gütesiegel „Berufsorientierung Plus“ zeichnet Schulen aus und garantiert höchste Professionalität.

Die Berufswelt wird immer komplexer. In Tirol gibt es mehr als 150 Lehrberufe, aus denen die Jugendlichen auswählen können. Kein Wunder, dass der Überblick nicht leicht zu bewahren ist und ohne professionelle Berufsorientierung gar nichts mehr geht. Ein zentrales Tätigkeitsfeld des Bildungsconsultings der WK Tirol ist die Berufsorientierung für Tiroler Schülerinnen und Schüler. Das Angebot reicht von Bewerbungsworkshops über die Berufs-Safari und Berufs-Festivals bis hin zu Junior Company, der Talent-Card und der Plattform berufsreise.at. „Es braucht aber unbedingt auch in den Schulen eine Drehscheibe für eine professionelle Berufsorientierung. Diese Aufgabe erfüllen die Berufsorientierungs-Koordinatorinnen und -Koordinatoren“, erklärt der für Berufsorientierung zuständige Experte am Bildungsconsulting, Markus Abart. Sie sind das Bindeglied zwischen externen Partner:innen in der Berufsorientierung wie Unternehmen und Beratungsinstitutionen sowie zwischen Direktor:innen bzw. Lehrpersonen in der Berufsorientierung und Schülerberater:innen. Die Koordinator:innen halten zudem den Kontakt zu den unterschiedlichen Berufsorientierungsinstitutionen. Schulen müssen nicht alle Unterstützungen für die Berufsorientierung selbst anbieten, aber sie sollten Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung ihrer Entscheidungsprozesse begleiten und beraten sowie über zur Verfügung stehende Unterstützungen informieren.

Wichtige Multiplikatoren
Wer jedoch Orientierung geben will, muss zuerst einmal selbst Orientierung haben. Aus diesem Grund wurde der Hochschullehrgang Berufsorientierungs- Koordination an der Pädagogischen Hochschule Tirol entwickelt. „Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich ist sehr wichtig, da diese Pädagoginnen und Pädagogen wichtige Multiplikatoren in der Berufsorientierung sind“, betont Markus Abart. Der berufsbegleitende Lehrgang umfasst 3 Semester im Umfang von 9 ECTS-Punkten. Die Zielgruppe sind Lehrer:innen von allgemeinbildenden Pflichtschulen und höheren Schulen. Die Ziele sind klar definiert: Jugendliche und deren Erziehungsberechtigte sollen im Rahmen der schulischen Berufs- und Bildungsorientierung sowie der Bildungsberatung unterstützt werden, um Bildungswegentscheidungen entlang von Begabungen und Interessen individuell treffen zu können. Dazu muss für jede Schule ein entsprechendes, dem Standort angepasstes Konzept entwickelt werden, das entsprechend zu koordinieren ist. In diesem Hochschullehrgang erwerben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jene Inhalte und Kompetenzen, die sie als Koordinator:innen für diese Aufgabe benötigen. Der Lehrgang qualifiziert die Teilnehmer:innen somit, die schulinterne Koordination von Bildungs- und Berufsorientierung in der Sekundarstufe I und II in enger Zusammenarbeit mit der Schulleitung zu übernehmen und die Umsetzung von ibobb (Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf) als Prozess zu initiieren, zu begleiten und zu unterstützen. Ein zentraler Bestandteil der Ausbildung neben Inhalten wie Projektmanagement, Beratung und der Moderation von Entwicklungsprozessen ist der Kontakt zu den wichtigsten Anbietern von Berufsorientierungsmaßnahmen in Tirol und das Kennenlernen der entsprechenden Angebote. Damit ist der Hochschullehrgang ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen den Tiroler Sozialpartnern, dem AMS und der Bildungsdirektion Tirol. Das Ergebnis ist eine Top-Ausbildung für Lehrpersonen, die ihr Wissen an jene jungen Menschen weitergeben können, die volle Unterstützung für gute Entscheidungen in ihren Berufsorientierungsprozessen benötigen. Das Bildungsconsulting der WK Tirol ist voll in den Lehrgang eingebunden: Im Rahmen des Lehrgangs werden vom Bildungsconsulting unter anderem Entwicklungen in der Lehrlingsausbildung, aktuelle Trends bei der Bewerbung für Jugendliche, innovative Tools in der Berufsorientierung wie Lern-Apps oder der eigens entwickelte Foto-Interessentest PICTA für Schulklassen sowie Angebote des Bildungsconsultings wie die Berufs-Safari oder berufsreise.at vorgestellt und geschult.

Professionalität und Qualität
Berufsorientierungs-Koordinator:innen sind damit der Garant für die Professionalität der Berufsorientierung an den Tiroler Schulen. Sie sind auch der Motor dafür, die Qualität der Berufsorientierung sichtbar zu machen und in hohem Maße dafür verantwortlich, dass Schulen sich um das Gütesiegel „Berufsorientierung Plus“ bewerben. Dieses Gütesiegel ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landes Tirol mit der Wirtschaftskammer Tirol, der Arbeiterkammer Tirol, der Landwirtschaftskammer Tirol, dem Österreichischen Gewerkschaftsbund Tirol, der Industriellenvereinigung Tirol, der Pädagogischen Hochschule Tirol und der Bildungsdirektion Tirol. Das Ziel ist die Anerkennung qualitativ hochwertiger Bildungs- und Berufswahlberatung an den Schulen und damit verbunden die Motivation zur kontinuierlichen Weiterentwicklung. Die Schulen dürfen die Auszeichnung drei Jahre lang führen und erhalten von den Tiroler Sozialpartnern ein Preisgeld, das wiederum für die Nutzung von Angeboten in der Berufsorientierung genutzt werden kann. Die Schulen bieten den jungen Menschen verschiedene Eignungs- und Neigungstests, berufspraktische Schnuppertage in Unternehmen und üben mit ihnen gemeinsam Bewerbungsgespräche sowie das Erstellen von Bewerbungsmappen. Seit Einführung der Auszeichnung vor mittlerweile 17 Jahren wurde das Gütesiegel an mehr als 100 Schulen verliehen. Im vergangenen Schuljahr haben 24 Schulen das Gütesiegel erhalten – so viele wie noch nie.

„Gerade in der Zeit des akuten Fachkräftemangels kann der Stellenwert der Beratung für die Schülerinnen und Schüler nicht hoch genug eingeschätzt werden“, erklärt Markus Abart, „wenn es gelingt, einen Beruf nach seinen individuellen Talenten und Neigungen zu finden, ist das ein Gewinn für alle Beteiligten. Zu aller erst natürlich für den Jugendlichen selbst, aber auch für den Betrieb, der auf einen hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeiter zählen kann.“

Weitere Informationen finden Sie in den Publikationen.

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